Scoutland 2022

Im Folgenden erzähle ich euch, eine Rucksackreisende von insgesamt Vier, zufällig allesamt Pfadfinder, wie wir vom 01.08. bis zum 12.08 mit dem Interrailticket über Paris nach Schottland reisten und wieder zurück und was dazwischen geschah. 

Was wir erwartet haben: Regen. Viel Regen. Mücken, Viele Mücken, Mitches um genau zu sein (ein treffendes Wortspiel liegt auf der Hand). Wunderschöne, raue Landschaft, kuschelige Fischerdorfe und jede Menge Moor. 

Wie es wirklich war: Weich, grün und saftig. An der Ostküste hatten wir angenehme 16° und kaum Regen, zumindest tagsüber. Wenn er dann kam lagen wir schon lange in unseren Zelten, eingekuschelt in warmen Schlafsäcken auf Isomatten die auf weichem, moosigem Boden lagen. Das einzige was uns an rauer Landschaft begegnete waren die scharfen, zerklüfteten Küsten. Fast einen ganzen Tag verbrachten wir damit über die Felsen zu klettern, nur um immer wieder auf unseren silbrigen Strandabschnitt zurück zu kehren und das gleiche Abenteuer in die andere Richtung oder zur Abwechslung mal in die Dünen fortzusetzen. 

Was mich zu einem Punkt bringt über den wir im Voraus eigentlich kaum nach gedacht hatten; die Gastfreundschaft der Schotten. Beziehungsweise allgemein die Hilfsbereitschaft der wir auf dieser Reise begegnet sind. Aber eins nach dem anderen. Wir waren gerade auf dem Weg von Glasgow nach Baloch, ein kleines Dorf welches direkt am Loch Lomond liegt, als uns ein älterer Herr ansprach. Dazu muss man sagen, dass das dem Rucksackreisenden wohl öfter passiert, kommt dann noch die Kluft/das Halstuch dazu hat man gleich zwei interessante Gesprächseinstiege. Er erkundigte sich also ob er unser Geschwätz richtig als Deutsch identifiziert hatte und fragte nach unserer Route. Als wir ihm sagten wir wollen Richtung Ostküste, Inverness Colluden, schüttelte er fast schon entrüstet den Kopf und erzählte uns begeistert von Camusdarach, dem schönsten der eben erwähnten silbrigen Strände, und wie er dank seiner anstehenden Pensionierung gerade viel Zeit hatte genau solche Orte mit seiner Frau zu besuchen. Am Ende standen wir fünf also über eine Karte gebeugt mitten in der Bahn, nur unterbrochen von freundlich grüßenden Schaffnern, und überlegten wie wir unsere Route am besten umgestalten könnten um auch diese Sehenswürdigkeit mitzunehmen. An dieser Stelle ein Zitat eines Rucksackreisenden: “In Schottland macht man kein Sightseeing, was gibt es denn sehenswerteres als Schottland selbst?!”.  

Die Gastfreundschaft setzte sich fort, in Form von Schaffnern die uns immer wieder erst einige Stationen später abkassierten (In Schottland können Fahrkarten direkt beim Schaffner gekauft werden), uns ein Ticket nach Loch Ness gaben, weil es Sonderangebote für Touristen gab, obwohl wir eigentlich viel weiter mussten, die ein oder andere gälisch Lernstunde, ehrliches Interesse und vieles mehr. Aber vor allem möchten wir die Pfadigruppe in Edinburgh hervor heben bei der wir für einen wirklich kleinen Energiekostenausgleich zwei Nächte schlafen durften. Jonny, der Verwalter der Räume konnte zwei Worte Deutsch wovon eins danke war, also falls Jonny das hier liest: “DANKE”.  

Wir haben euch unten eine Bild mit einer groben Zeichnung unserer Route angefügt. Bis jetzt befinden wir uns zwischen Glasgow und dem Zipfel bei Fort William, und mit einem kleinen Exkurs über unsere kulinarischen Errungenschaften bewegen wir uns an die Ostküste. 

Wir hatten uns in Fort William für 7 Mahlzeiten eingedeckt, auf dieser Reise war das unser erster größerer Einkauf also war auch fast schon zu erwarten das wir uns ein bisschen verkalkulieren würden, und mit dem Bewusstsein, dass wir zusätzlich zu  den 2 Kilo Zelten ja auch alles mitschleppen werden müssen war auch klar in welche Richtung. So kam es das an unserem letzten Abend an der Westküste, den wir auf einer kleinen, Teilzeit Halbinsel bei Arisaig verbrachten, noch etwas Platz für Miesmuscheln in unseren Bäuchen war. “Miesmuscheln?!” fragt sich der aufmerksame Leser “ist das nicht unverhältnismäßig viel Gewicht für Rucksackreisende?”. Und er hat Recht, denn die Miesmuscheln fanden wir auf dem Weg zu unserer Halbinsel auf einem Strandstück das bei Flut unter Wasser lag. Dank der Begeisterung zweier Rucksackreisender und dem Misstrauen der anderen Zwei hatten wir also eine willkommene, sicherlich nicht tödliche Ergänzung zu unserem Essen. Den Bogen zur Ostküste schlägt unsere zweite Erfahrung dieser Art wofür wir etwas vorgreifen müssen. Es war unser letzter Tag unterwegs, eine Übernachtung im Zelt wartete noch auf uns bevor wir uns auf den Weg nach Edinburgh machten. Wir waren gerade dabei einen Berg bei Kingussie zu erklimmen als ein Rucksackreisender eines der Gewächse um uns herum als Blaubeeren identifizierte. Zuerst nicht zu beeindruckt setzten wir unseren Aufstieg schnell fort, doch zwei der Rucksackreisenden ließ der Gedanke nicht mehr los. Und so wurde sich, nachdem die Rucksäcke abgesetzten, der Gipfel erkundet und ein Drache gebaut worden war, mit allen Behältnissen die der Trangia zu entbehren hatte bewaffnet und wieder an den Abstieg gemacht. Die Heidekrautfelder die unseren Weg umgaben machten es einem nicht einfach die Beeren auszumachen, zumal die Beeren auch viel kleiner waren als die die wir aus dem Supermarkt kannten. Die Zwei Rucksackreisenden waren fast eine Stunde in meditatives Suchen und Sammeln versunken, nur unterbrochen von Ausrufen wie “Boah, ich hab hier eine richtige Goldgrube”, “Bleib weg, du trittst auf meine Blaubeeren” oder “Wie siehts bei dir mit den Mitches aus? Ich werde gerade weggevespert”, als ein weiterer Rucksackreisender den Berg runter gejoggt kam und die Zwei zum Essen rief.   

Am nächsten Tag hatten wir nach unserem bitter nötigen Bad in einem Loch noch genug Zeit um ein weiteres Mal Blaubeeren zu sammeln, dieses Mal mit vereinten Kräften und so gabs an unserem ersten Morgen in Edinburgh Blaubeerpancakes. 

Wie bereits erwähnt ist Kingussie jedoch die letzte Etappe unserer Reise gewesen und obwohl ich hier nicht all unsere Erlebnisse festhalten kann, möchte ich doch noch einmal zurück gehen zu unserer Ankunft an der Ostküste, genauer gesagt in Inverness. An Inverness ist erstmal nichts Besonderes, es ist eine Kleinstadt wie man sie öfter an der Ostküste, die wesentlich dichter besiedelt ist als die Westküste, findet. Jedoch ist sie auch ein Schauplatz der Outlander-Saga, einer Buchreihe von Diana Gabaldon, von der zwei der Rucksackreisenden große Fans waren. Ob die Faszination für Schottland oder die Faszination für die Bücher zuerst da war bleibt ein Rätsel aber viel spannender ist das das Culloden Moor nur wenige Kilometer entfernt liegt. Dort fand nicht nur die letzte Schlacht überhaupt auf englischem Boden statt, sondern wurden hier auch die Jakobiter von den Engländern besiegt. Bevor ich hier jetzt zu tief in Geschichtserzählungen eintauche würde ich jedem der zufällig in Inverness vorbei kommt empfehlen einen Ausflug zu wagen, denn das Museum das dort mittlerweile entstanden ist-man möchte es fast nicht sagen denn wir wissen ja: Schottland selbst ist die Sehenswürdigkeit-, ist wirklich sehenswert. 

Nahtlos an unsere Abenteuer in Schottland schließt sich unsere ebenfalls abenteuerliche Heimreise am 11. Und 12. August an. Müde, verschwitzt und unglaublich glücklich kamen wir Mittags in Stuttgart an und unsere letzten Schritte auf dieser Reise führten uns schnurstracks in unsere Betten.

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