72 Stunden mit Höhen und Tiefen

Die 72-Stunden-Aktion 2019 in Neuhausen war definitiv eine Herausforderung. Am 23. Mai 2019 um 17.07 Uhr wurde unsere Aufgabe enthüllt und lautete wie folgt: die Grünfläche (ca. 300 m²) um die Anschlussunterbringung für Geflüchtete in der Albstraße soll neu gestaltet werden. Es ist eine Terrasse anzulegen, die durch einen Plattenweg ans Haus angebunden ist und die Buckelpiste hinterm Haus soll als Spielwiese für die Kinder eingeebnet werden. Außerdem sollen Sitzgelegenheiten gebaut werden und ein Blumenbeet angelegt werden. Die Idee stammt von der Gruppe „WiN- Willkommen In Neuhausen“, die in engem Kontakt mit den Bewohnern des Hauses steht.

Die Euphorie war überschwänglich, als wir die heiß ersehnte Bauaufgabe erhielten, stellte sich aber schon am Freitagvormittag ein, als uns klar wurde, dass keiner von uns eine Ahnung hatte, wie wir vorgehen sollten. Spärlich ausgestattet mit Spaten und Hacken, durchwühlten wir zunächst die Unkrautfläche- mäßig erfolgreich. Wir hatten bereits in Erfahrung gebracht, dass wir erstmal ein ordentliches Fundament brauchten und ein Gefälle vom Haus weg einrichten mussten, um unser Projekt nachhaltig zu bauen. Doch daraus drängten sich Fragen auf: Wie geht man so was an? Woher bekommen wir einen Bagger und wie transportieren wir einen Bagger auf die Baustelle? wer fährt ihn? woher die benötigten 15 Tonnen Waschbeton und 3 Tonnen Split für das Fundament? Die Platten? Die Rabatten (man musste mir erstmal erklären, dass das Begrenzungssteine sind)? Zement?

Es folgten Telefonate um Telefonate. Zu unserem Glück durften wir auf die Hilfe einiger Profis zählen. Zum Beispiel die eines befreundeten Landschaftsgärtners, der uns, trotz beruflicher Verpflichtungen, mit seinem Lastwagen den Minibagger abholte, den uns der Baumaschinenverleih Schmittinger, samt Rüttelplatte für das Wochenende zur Verfügung stellte. Als Baggerfahrer konnten wir Bekannte und unbekannte Helfer für uns gewinnen. Der aufsehenerregendste war sicherlich Albrecht, der unseren Hilferuf auf SWR3 erhörte und uns morgens um halb 9 auf der Baustelle überraschte, um uns den ganzen Vormittag zur Seite zu stehen. Und noch ein weiterer Baggerfahrer bot über SWR3 seine Hilfe an. Unser Aufruf zog sogar eine Tagesstory im Radio nach sich, für die uns ein Reporter vor Ort interviewte. Auch ein paar Gemeinderatskandidat*innen der verschiedenen Parteien statteten uns auf unsere Einladung einen Besuch ab.

Langsam wich die Verzweiflung der Hoffnung, denn es ging voran! Auch die Geflüchteten packten tatkräftig mit an. Während in der Albstraße also gebaggert, geschaufelt, gefräst und gepflanzt wurde, lief in Federschmids Scheune die Kreissäge, wurde bis spät in die Nacht geleimt, geschraubt und gestrichen, denn unsere Möbeldelegation kümmerte sich um die neue Sitzgarnitur für die Terrasse.

Weil wir durch diesen Aufwand ja noch nicht ausgelastet waren, betreuten zusätzlich einige von uns das Schulfest der Mozartschule mit einem Menschenkicker, Lagerfeuer und Stockbrot.

Am Samstagabend feierten alle Beteiligten zusammen mit den (muslimischen) Bewohnern ein ausgelassenes Fastenbrechen, bei dem wir in den Genuss der Köstlichkeiten aus den Heimatländern der Geflüchteten kamen.

Wir hätten es nicht für möglich gehalten, aber wir schafften es tatsächlich, am Sonntag um 17.07 Uhr, nach 72 Stunden vereinter Knochenarbeit und wenig Schlaf, den freudestrahlenden Bewohnern ihren neugestalteten Garten zu überlassen.

Große Teile des Baumaterials wurden uns gespendet, sowie Holz und Paletten für die Möbel und die Blumen und Kräuter, die wir in unser frisch angelegtes Beet pflanzten. Auch zur Verpflegung haben viele Neuhäuser Betriebe beigetragen. In diesem Sinne herzlichen Dank an alle Helfer*innen, die das Projekt in diesem Umfang ermöglicht haben.

Viktoria S.

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